SLS 3D-Druck im Maschinenbau: Von einfachen Halterungen bis zum Robotergreifer
Muss eine gute 3D-Druck-Anwendung immer komplex aussehen? Arthur Kopp spricht mit Simon Hall von Formlabs darüber, wie SLS 3D-Druck heute im Maschinenbau eingesetzt wird – anhand realer Bauteile aus Maschinen und Produktionsanlagen.
SLS in echten Maschinenbau-Anwendungen
Von Sensorabdeckungen und Kabelführungen über Werkstückträger und Ersatzteile bis zum Robotergreifer: Die Folge zeigt, wie vielseitig SLS in der industriellen Praxis eingesetzt wird.
Arthur Kopp und Simon Hall sprechen darüber, wo SLS 3D-Druck im Maschinenbau heute wirklich Sinn macht – nicht anhand theoretischer Möglichkeiten, sondern anhand realer Bauteile aus Produktionsanlagen.
Auf dem Tisch liegen Sensorabdeckungen, Halterungen, Kabelführungen, Lagerkomponenten und weitere Teile aus echten Anwendungen. Dabei zeigt sich schnell: Der Einstieg in den industriellen 3D-Druck muss nicht mit einem hochkomplexen generativen Design beginnen.
Häufig sind es gerade einfache Anwendungen, bei denen SLS einen wirtschaftlichen Vorteil schafft. Entscheidend ist nicht, wie spektakulär ein Bauteil aussieht, sondern welchen konkreten Nutzen die additive Fertigung gegenüber der bisherigen Lösung bringt.
Vier Perspektiven auf SLS im Maschinenbau
Die Folge zeigt, wie sich additive Fertigung Schritt für Schritt in reale Produktionsumgebungen integrieren lässt – von einfachen Einstiegsbauteilen bis zu funktionsintegrierten Anwendungen.
Einfach anfangen
Warum Halterungen, Abdeckungen und Sensoraufnahmen bereits wirtschaftlich interessante SLS-Anwendungen sein können.
Kunststoff statt Metall?
Wann technische Kunststoffe klassische Metallbauteile ersetzen oder sinnvoll mit Metallkomponenten kombiniert werden können.
Automation & Greifer
Kabelführungen, Werkstückträger und Robotergreifer zeigen die Bandbreite additiver Anwendungen in Produktionsanlagen.
Digitale Ersatzteile
Wie aus physischen Lagerbeständen digitale Geometrien werden können und warum On-Demand-Fertigung interessant ist.
Der Einstieg in den industriellen 3D-Druck muss nicht kompliziert sein
Eine gute 3D-Druck-Anwendung muss nicht futuristisch aussehen. Oft sind gerade einfache Bauteile der sinnvollste Einstieg in die additive Fertigung.
Arthur möchte bewusst keine futuristischen Anwendungen zeigen, sondern Bauteile, die Maschinenbauer aus ihrem eigenen Alltag kennen: Halterungen, Abdeckungen, Sensoraufnahmen oder einfache Funktionsbauteile.
Genau darin liegt für Arthur ein sinnvoller Einstieg. Unternehmen müssen nicht sofort versuchen, eine komplette Baugruppe neu zu entwickeln. Eine kleine Sensorabdeckung kann bereits eine sehr gute 3D-Druck-Anwendung sein, wenn sie nur in begrenzten Stückzahlen benötigt wird, kurzfristig verfügbar sein soll und ohne eigenes Werkzeug produziert werden kann.
Simon zeigt dies anhand einer Anwendung von Heidelberger Druckmaschinen. Die Sensorabdeckung ist geometrisch nicht außergewöhnlich und könnte grundsätzlich auch konventionell hergestellt werden. Im SLS-Prozess lässt sie sich jedoch zusammen mit anderen Bauteilen im Bauraum fertigen und damit wirtschaftlich in kleinen Stückzahlen produzieren.
Die Stärke von 3D-Druck liegt also nicht ausschließlich darin, Geometrien herzustellen, die sonst unmöglich wären. Mehrwert kann genauso durch geringe Stückzahlen, kurze Lieferzeiten, werkzeuglose Produktion und die Möglichkeit entstehen, Bauteile jederzeit anzupassen.
Können Kunststoffteile wirklich Metallbauteile im Maschinenbau ersetzen?
Spannend wird das Gespräch, als Arthur und Simon ein konventionell aus Aluminium gefertigtes Bauteil direkt mit einer additiv gefertigten Kunststoffvariante vergleichen.
Bei vielen Unternehmen entsteht genau an diesem Punkt Skepsis: Ein Bauteil wurde bisher gefräst und besteht aus Aluminium. Kann ein SLS-Kunststoffteil dieselbe Aufgabe wirklich dauerhaft übernehmen?
Simon macht deutlich, dass diese Frage nicht theoretisch beantwortet werden sollte. Bauteile werden getestet, belastet und gemeinsam mit dem Kunden schrittweise in die Anwendung gebracht. Entscheidend sind nicht allein Materialkennwerte, sondern die tatsächliche Konstruktion und Belastung im späteren Einsatz.
Ein Beispiel aus der Folge zeigt das besonders deutlich. Ein additiv gefertigtes Kunststoffbauteil dient als Halterung für Metallrollen, die laut Simon jeweils bis zu 13 Kilogramm wiegen. Zusätzlich kommen Gewindebuchsen und metallische Komponenten zum Einsatz.
Genau diese Hybridfertigung ist ein wichtiger Gedanke der Folge. Ein Bauteil muss nicht vollständig aus Kunststoff bestehen, nur weil es additiv gefertigt wird. Passungen können nachbearbeitet, Lager eingesetzt, Gewindebuchsen integriert oder hochpräzise Bereiche anschließend zerspant werden.
SLS 3D-Druck für funktionale Kunststoffbauteile
Bei KIT3D fertigen wir funktionale Kunststoffbauteile im selektiven Lasersintern – vom Prototyp über Kleinserien bis zu wiederkehrenden Serienbauteilen. Material, Geometrie, Stückzahl und spätere Belastung entscheiden über die passende Lösung.
Kabelführung, Werkstückträger und Robotergreifer
Eine der Stärken dieser AdditiveTalk-Folge ist die Bandbreite der gezeigten 3D-Druck-Anwendungen im Maschinenbau. Viele wirken auf den ersten Blick unspektakulär – lösen aber sehr konkrete Probleme in Produktionsanlagen.
Ein gutes Beispiel ist eine flexible TPU-Kabelführung. Moderne Maschinen enthalten immer mehr Sensorik, Aktorik und Verkabelung. Das gezeigte Bauteil verbindet Stabilität mit Flexibilität, sodass Kabel direkt eingeclipst und sauber innerhalb der Maschine geführt werden können.
Auch Werkstückträger gehören für Simon zu den klassischen Anwendungen. Dabei kann das Negativ eines Produkts direkt als individuelle Aufnahme konstruiert werden, sodass Werkstücke passgenau innerhalb einer Maschine positioniert werden können.
Noch deutlicher werden die Möglichkeiten bei 3D-gedruckten Robotergreifern. Vakuumkanäle können direkt innerhalb des Greifers integriert und mehrere Funktionen in einem einzigen Bauteil zusammengeführt werden.
Kabelführung
Individuelles Kabelmanagement mit flexiblen Geometrien für Sensorik, Aktorik und Verkabelung.
Werkstückträger
Passgenaue Aufnahmen lassen sich direkt aus der Produktgeometrie ableiten und schnell anpassen.
Robotergreifer
Funktionsintegration, interne Vakuumkanäle und schnelle Anpassung an neue Produktgeometrien.
Simon berichtet in der Folge zudem von einem Kunden mit einer großen Zahl an Spritzgussanlagen, bei dem regelmäßig unterschiedliche Greifer benötigt werden und diese inzwischen wiederkehrend additiv gefertigt und produktiv eingesetzt werden.
Der eigentliche Mehrwert liegt nicht darin, dass ein Greifer gedruckt ist, sondern in der Flexibilität, der Funktionsintegration und der schnellen Anpassung an die jeweilige Produktion.
Vom Ersatzteil zum digitalen Ersatzteillager
Gerade Hersteller mit einer großen installierten Maschinenbasis müssen Ersatzteile teilweise über viele Jahre verfügbar halten. Additive Fertigung kann dabei die Rolle klassischer Lagerbestände verändern.
Simon beschreibt am Beispiel von Heidelberger Druckmaschinen, warum additive Fertigung hier interessant wird: Geeignete Ersatzteile müssen nicht zwangsläufig physisch im Regal liegen, sondern können als digitale Datei vorgehalten und erst dann produziert werden, wenn sie tatsächlich benötigt werden.
Arthur bezeichnet einen Pulverbett-3D-Drucker deshalb sinngemäß als kleines digitales Ersatzteillager. Unter den richtigen Voraussetzungen wird damit die digitale Geometrie zum eigentlichen Lagerbestand.
Gleichzeitig entsteht ein weiterer Vorteil: Ein Ersatzteil muss nicht über Jahre unverändert bleiben. Zeigt sich im Einsatz beispielsweise eine Schwachstelle, kann die Konstruktion angepasst und die nächste Version direkt verbessert produziert werden. Aus einem klassischen Ersatzteil wird so ein weiterentwickelbares digitales Bauteil.
Gerade bei langen Beschaffungszeiten, angespannten Lieferketten oder drohenden Maschinenstillständen bekommt dieser Ansatz zusätzliche Bedeutung. On-Demand-Fertigung mit SLS kann besonders dort interessant sein, wo schnelle Verfügbarkeit, kurze Lieferzeiten und Flexibilität wichtiger sind als der isolierte Stückpreis.
Passt SLS zu deinem Maschinenbauteil?
Halterungen, Abdeckungen, Greifer, Werkstückträger, Ersatzteile oder kleine Serien können wirtschaftlich interessante Anwendungen sein. Entscheidend sind Funktion, Material, Stückzahl und die bisherige Fertigung.
Was Arthur aus dem Gespräch mit Simon Hall mitnimmt
Diese AdditiveTalk-Folge zeigt vor allem eines: Eine gute industrielle 3D-Druck-Anwendung muss nicht kompliziert sein.
Eine Sensorabdeckung kann die richtige Anwendung sein. Eine Kabelführung genauso. Eine Lagerhalterung, ein Werkstückträger oder ein Robotergreifer können den nächsten Schritt darstellen.
Entscheidend ist nicht, wie spektakulär ein Bauteil aussieht, sondern welchen konkreten Nutzen die additive Fertigung gegenüber der bisherigen Lösung schafft. Genau deshalb betonen Arthur und Simon auch den Wissenstransfer zwischen Anwender, Dienstleister und Technologieanbieter.
Gerade beim Einstieg sollten Bauteile gemeinsam betrachtet und ehrlich bewertet werden: Macht 3D-Druck an dieser Stelle wirklich Sinn oder ist Fräsen, Drehen beziehungsweise Spritzguss weiterhin die bessere Lösung?
Ist eine Anwendung geeignet, sollte die Konstruktion anschließend aber auch die Möglichkeiten des Verfahrens nutzen. Material kann dort entfernt werden, wo es nicht benötigt wird, Funktionen lassen sich zusammenführen, Befestigungen integrieren und Geometrien vereinfachen.
Was aus der zweiten Folge hängen bleibt
Die Folge zeigt, wie praxisnah der Einstieg in SLS sein kann. Nicht das spektakulärste Bauteil entscheidet, sondern die Anwendung, die im Alltag einen konkreten Vorteil schafft.
Sensorabdeckungen, Halterungen und andere kleine Funktionsbauteile können bereits sinnvolle Einstiegsanwendungen sein.
Gewindebuchsen, Lager und Metallkomponenten lassen sich gezielt mit additiv gefertigten Kunststoffteilen kombinieren.
Werkstückträger und Greifer können schnell auf neue Produkte, Varianten und Produktionsprozesse angepasst werden.
Geeignete Geometrien lassen sich digital vorhalten und bei Bedarf produzieren, statt sie jahrelang physisch zu lagern.
3D-Druck ist dann sinnvoll, wenn er einen konkreten technischen, wirtschaftlichen oder logistischen Vorteil gegenüber der bisherigen Lösung schafft.
Simon Hall
Simon bringt in der zweiten AdditiveTalk-Folge die Perspektive von Formlabs und zahlreiche reale SLS-Anwendungen aus dem Maschinenbau mit. Gemeinsam mit Arthur zeigt er, dass der Einstieg in additive Fertigung nicht mit hochkomplexen Bauteilen beginnen muss.
Im Mittelpunkt stehen konkrete Anwendungen, Materialentscheidungen, Hybridfertigung, Automation und die Frage, wie SLS vom Prototyping in produktive Maschinenbau- und Ersatzteilanwendungen wächst.
Du hast selbst eine Anwendung oder Erfahrung für AdditiveTalk?
Du arbeitest mit additiver Fertigung, hast einen Prozess aufgebaut oder eine Anwendung umgesetzt, über die mehr gesprochen werden sollte? Dann bring deine Perspektive mit zu AdditiveTalk und sprich mit Arthur über deine Erfahrungen.